Dialoge der Karmelitinnen*

Oper von Francis Poulenc

Oper in drei Akten und zwölf Bildern (1956)
Libretto vom Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Georges
Bernanos (1947/52) und nach der Novelle »Die Letzte am Schafott« von Gertrud von Le Fort (1931)

in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere der Inszenierung am 2. Juni 2018

Einführung 19:00 | Sa 23.06.18 | 19:30 | Opernhaus

Abonnement: Samstag 4b (19:30) | Weihnachtsgeschenk

ZUM STÜCK

Frankreich 1794: La Grande Terreur, der Höhepunkt der postrevolutionären Schreckensherrschaft. Paläste sind geplündert, Kirchen entweiht, Klöster gestürmt. Die Guillotine – eigentlich dazu erfunden, die Todesstrafe humaner zu vollziehen – ist das Symbol dieser Zeit: als Instrument des rationalisierten Tötens, auf einem Schafott der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Zehntausende Menschen werden hingerichtet, Arbeiter und Bauern, Adelige und Geistliche. »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« – die hoffnungsvolle Parole der Revolution hat sich zur brutalen Drohgebärde gewandelt. Vor diesem Hintergrund spielt die Geschichte einer Glaubensgemeinschaft von Nonnen des Karmeliter-Ordens, die Francis Poulenc in »Dialogues des Carmélites« auf die Bühne bringt. Zentrum der Handlung ist die junge Adelige Blanche, die ihre neurotische Lebensangst durch die Aufnahme in die strenge Gemeinschaft des Karmel zu überwinden hofft. Als das Kloster durch die Revolutionsgarden aufgelöst und die Nonnen verhaftet werden, flieht sie in das Haus ihres Vaters. Doch nach der Verurteilung ihrer Mitschwestern zum Tod kehrt sie zu diesen zurück und besteigt nach ihnen das Schafott.

Mitte der 1950er Jahre schrieb Francis Poulenc die Oper »Dialogues des Carmélites«. Die Wahl des Stoffes – die historisch verbriefte Hinrichtung von später als Märtyrerinnen seliggesprochenen Nonnen – wirkt wie aus der Zeit gefallen: ein Werk der katholischen Erneuerung zwischen Zweitem Weltkrieg und Zweitem Vatikanischen Konzil. Die »Dialogues des Carmélites« eröffnen ein religiöses Themenfeld. Glaubensgewissheit und Zweifel, das Wirken göttlicher Gnade und Blanches Überwindung ihrer Lebensangst im Martyrium scheinen randständige Themen zu sein, wenig geeignet für die Opernbühne, zumal im säkularisierten 21. Jahrhundert. Und doch stellt das Werk Fragen, die heute noch und erst recht wieder brisant sind: Wie geht eine radikalisierte Gesellschaft mit Minderheiten um? Was sind die Auswirkungen von Gewalt, Verfolgung und Todesgefahr auf den Einzelnen und eine Gemeinschaft? Ist die Selbstopferung, im Glanz göttlicher Gnade, ein legitimer Ausweg aus seelischer Not? Musikalisch begegnet Francis Poulenc diesen Fragen mit dem sensiblen Psychogramm eines fein ausdifferenzierten Frauenensembles. Sein textintensives Libretto vertont er mit einer eng an der Sprache geführten Musik, als deren Vorbilder er Monteverdi und Mussorgsky benennt. Impressionistisch und neoklassizistisch mischt er die Orchesterklangfarben. Eindrucksvoll gestaltet er die Momente dramatischer Zuspitzung: die Auflösung des Klosters mit einer gebrüllten Revolutionshymne hinter der Bühne und die finale Hinrichtungsszene mit einem gegen den Tod angesungenen »Salve Regina« der Karmelitinnen, nach und nach ausgedünnt unter dem naturalistischen Geräusch der 16-mal fallenden Guillotine.

TERMINE & KARTEN

Termine

02.06.18Sa 19:30Karten
06.06.18Mi 19:30Karten
09.06.18Sa 19:30Karten
13.06.18Mi 19:30Karten
19.06.18Di 19:30Karten
23.06.18Sa 19:30Karten
28.06.18Do 19:30Karten

Leitungsteam

Leitungsteam

Musikalische Leitung
Valtteri Rauhalammi
Inszenierung
Dietrich W. Hilsdorf
Bühne
Dieter Richter
Kostüme
Renate Schmitzer
Licht
Elana Siberski
Choreinstudierung
Lorenzo Da Rio
Dramaturgie
Swantje Köhnecke

Besetzung

Besetzung

Marquis de la Force
Stefan Adam
Blanche de la Force
Dorothea Maria Marx
Chevalier de la Force
Simon Bode
Madame de Croissy, Priorin
Renate Behle
Madame Lidoine, neue Priorin
Kelly God
Mère Marie
Monika Walerowicz
Soeur Constance
Ania Vegry
Mère Jeanne
Julie-Marie Sundal
Soeur Mathilde
Marlene Gaßner
Beichtvater des Karmel
Latchezar Pravtchev
1. Komissar
Uwe Gottswinter
2. Komissar/Kerkermeister/Javelino
Gihoon Kim
Offizier/Thierry
Yannick Spanier
Chor
Chor der Staatsoper Hannover
Extrachor
Extrachor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Theaterpädagogische Angebote

Theaterpädagogische Angebote

Produktion empfohlen ab Klasse 11

 

Ein Formular für die Kartenbestellung für Schulklassen unter kasse@staatstheater-hannover.de oder Fax (0511) 9999 1999 finden Sie hier.

 

Musiktheaterpädagogische Angebote für Lehrer erhalten Sie unter maike.foelling@staatstheater-hannover.de oder Telefon (0511) 9999 1083.

* in Originalsprache mit deutschen Übertiteln