Passionen


πασχειν (paschein): griechisch für
leiden, durchstehen, erleben

26. bis 30. März 2020


NijinskiToscaThe Greek Passion – Sinfoniekonzert Haydn: Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze – Operngottesdienst – Einführungen – Nachgespräche – Panel Talk – Filmreihe im Lodderbast


Können Gedichte, Bilder oder Musik trösten? Kann das Theater mit seiner Idee der Katharsis durch symbolisches Darstellen von Trauer, Schmerz, Bedrängnis und Folter diese beherrschbar machen? Hilft kollektives Erleben? Muss man Leid erfahren haben um es nachfühlen zu können? Müssen menschliche Katastrophen die zivilisierte Welt nicht verändern? Ist geteiltes Leid halbes Leid, oder helfen Geld, Gebete oder Bachs Passionen aus dem dunklen Tal?


Zeit seines Lebens ist der Mensch von Leid umgeben, vom ersten Geburtsschrei bis zum Tod – eigenes, fremdes, bereits erlebtes oder noch befürchtetes, durch Krieg, Flucht und Terror, durch Krankheit und Einsamkeit, in Beziehungen durch den Nächsten oder dem Nächsten zugefügt, wegen des Glaubens oder ohne ihn, in der Familie oder bei der Arbeit, am eigenen Leib erfahren oder ihm gerade noch entronnen, als leidend beweint, verlacht, ausgegrenzt, sogar angebetet. Kummer und Schmerz scheinen unvermeidbar, und die Furcht davor prägt unser Leben, sie drückt uns nieder oder provoziert Vermeidungsreflexe. Leid wird real und individuell erlebt, wirft jedes menschliche Wesen auf sein Kreatürliches zurück, folgt subjektiver Wahrheit und persönlichen Maßstäben. Töten Nachrichtenbilder die Empathie? Ist Leid schwerer zu ertragen, wenn man es mit ansehen muss? Wo endet Nächstenliebe, wann ist das Boot voll, wo sind die Samariter für die, die unter die Räuber gefallen sind? Der Umgang mit dem Leid anderer ist Maßstab für unser persönliches und gesellschaftliches Wertesystem.
   

Die Staatsoper Hannover lädt ein, sich gemeinsam diesen Fragen zu nähern. Passionsgeschichten und unser Umgang damit werden aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Genres thematisiert und zu einem Festival-Wochenende gebündelt: im Opernspielplan mit Tosca und The Greek Passion, als Ballettabend mit Nijinski, im sinfonischen Konzert mit Haydns Sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuze.


In Hannovers erstem Operngottesdienst nähert sich Regionalbischöfin Petra Bahr zusammen mit Solist*innen und Musiker*innen aus The Greek Passion der Frage, wie nah sich Theaterthemen und Glaubensfragen im Leben kommen. In Einführungen, Nachgesprächen und einem Panel Talk im Opernhaus laden wir Sie dazu ein, Gefühle und Meinungen zu teilen und mitzudiskutieren. Eine Filmreihe im Lodderbast-Kino stimmt auf das Festival-Thema ein.

 

Programm

 

Do 26.03.
NIJINSKI
Ballett von Marco Goecke
EINFÜHRUNG 19:00 Uhr VORSTELLUNG 19:30 – 20:50 Uhr


NACHGESPRÄCH
ca. 21:00 Uhr (im Anschluss an die Vorstellung)
DER TRAKTIERTE KÖRPER – BELASTUNG UND ENTGRENZUNG IM ZEITGENÖSSISCHEN TANZ
GÄSTE Marco Goecke (Ballettdirektor des Staatsballetts)
und Beteiligte der Aufführung



Fr 27.03.
TOSCA
Oper von Giacomo Puccini
EINFÜHRUNG 19:00 Uhr VORSTELLUNG 19:30  – 21:45 Uhr


NACHGESPRÄCH
ca. 21:45 Uhr (im Anschluss an die Vorstellung)
„IN CHIESA“ – WEIBLICHE PASSIONEN
GÄSTE Doris Reisinger (Theologin, Philosophin und Autorin) und Beteiligte der Aufführung
MODERATION Regine Palmai (Chefdramaturgin der Staatsoper)



Sa 28.03.
THE GREEK PASSION
 Oper von Bohuslav Martinů
EINFÜHRUNG 19:00 Uhr VORSTELLUNG 19:30 – 22:15 Uhr


NACHGESPRÄCH
ca. 22:15 Uhr (im Anschluss an die Vorstellung)
FÜRSORGE UND HEILSLEHRE IM ERNSTFALL: WAS BEDEUTET DIE AUFNAHME VON GEFLÜCHTETEN?
GÄSTE Iyabo Kaczmarek (Geschäftsführerin der Initiative UNTER EINEM DACH gUG) und Beteiligte der Aufführung
MODERATION Martin Mutschler (Dramaturg der Staatsoper)



So 29.03. 10:30 Uhr, Markuskirche
OPERNGOTTESDIENST
Oper als Passion
PREDIGT Dr. Petra Bahr (Regionalbischöfin) Mit Musik aus The Greek Passion
MUSIKALISCHE LEITUNG Martin Dietterle (Kantor)
SOLIST Michael Kupfer-Radecky (Bariton)



So 29.03. 14:00 – 16:00 Uhr, Opernhaus, Marschner-Saal
PANEL TALK
LEID UND ÄSTHETIK – DARF SCHMERZ SCHÖN SEIN?
Gesprächsrunde mit Expert*innen
GÄSTE Dr. Petra Bahr (Regionalbischöfin), Prof. Dr. Walter Homolka (Prof. für Jüdische Religionsphilosophie der Neuzeit an der  Universität Potsdam, ehem. Landesrabbiner des LVs der Israelit. Kultusgemeinden von Nds.),  Dr. Anja Laukötter (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung,  Forschungsbereich Geschichte der Gefühle),  Hamideh Mohagheghi (Juristin, islamische Theologin, Religionswissenschaftlerin)
MODERATION Jan Ehlert (Redakteur NDR)



So 29.03.
6. SINFONIEKONZERT PASSION
Joseph Haydn
Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
EINFÜHRUNG 16:15 Uhr KONZERT 17:00 – 18:30 Uhr
INSTALLATION, VIDEO Le Lab: Olivier Deloeuil, Jean-Philippe Clarac  SPRECHER Philipp Hauß Niedersächsisches Staatsorchester Hannover DIRIGENT Michele Gamba


NACHGESPRÄCH
ca. 18:30 Uhr (im Anschluss an das Konzert)
LETZTE WORTE – HAYDNS PASSION
GÄSTE Le Lab: Olivier Deloeuil, Jean-Philippe Clarac (Inszenierung, Video), Philipp Hauß (Schauspieler)
MODERATION Swantje Köhnecke (Dramaturgin der Staatsoper)



Mo 30.03.
6. SINFONIEKONZERT PASSION
Joseph Haydn
Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
EINFÜHRUNG 18:45 Uhr KONZERT 19:30 – 21:00 Uhr
VIDEO Le Lab: Olivier Deloeuil, Jean-Philippe Clarac  SPRECHER Philipp Hauß Niedersächsisches Staatsorchester Hannover DIRIGENT Michele Gamba