Schauspiel

Universen: Es kamen Menschen an

60 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland – Türkei


Termine und Karten

Sa, 30.10.2021 / 19:30 Uhr
im Rahmen von Kein Schlussstrich!
Cumberlandsche Bühne / Filmscreenings von Schweinemilch und Gurbet is Home now mit Neco Çelik und Pinar Ögrenci / im Anschluss Gespräch mit den Regisseur:innen
5,00 €
Sa, 20.11.2021 / 15:00 Uhr
Werkstattpräsentation
Cumberlandsche Galerie
Eintritt frei

Inhalt

In einem zweiseitigen Dokument regelte das Auswärtige Amt in Bonn mit der türkischen Botschaft am 30. Oktober 1961 die Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland: das sogenannte Anwerbeabkommen.
Es wurden zwar Arbeiter gerufen, mit Hinblick darauf, dass diese Menschen nach verrichteter Arbeit in meist unwürdigen Arbeitsstätten wieder zurück in die ‚Haymat‘ geschickt werden sollten – doch die meisten blieben und bilden heute die größte ethnische Minderheit in Deutschland.

Die Veranstaltungen finden statt im Rahmen von Kein Schlussstrich!, einem bundesweiten Theaterprojekt zum NSU-Komplex.

Mehr Informationen

30. Oktober 2021:
Am 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei hinterfragen wir mit den beiden Filmen Schweinemilch und Gurbet is Home now kritisch das Ankommen und das Leben in der neuen Haymat.
Schweinemilch: Mit viel Witz, Ironie und Feingefühl erzählt der Kurzfilm die ersten Stunden und Missgeschicke im Leben drei junger türkischer Gastarbeiter im Deutschland der 1960er Jahre. Eine Komödie über Missverständnisse, Vorurteile und das Ankommen in einem fremden Land.
Gurbet is Home now:
Ein filmischer Essay der Künstlerin Pınar Öğrenci über Stadtentwicklung und das Leben von türkischen Migrant*innen im heruntergekommenen Kreuzberg der 1980er Jahre, dem sie mithilfe von zeitgenössischen Fotografien, türkischen Gedichten und Interviews auf die Spur kommt.

31. Oktober 2021:
Es wurden Arbeiter gerufen
doch es kamen Menschen an
Man brauchte unsere Arbeitskraft
die Kraft die was am Fließband schafft
Wir Menschen waren nicht interessant
darum blieben wir euch unbekannt
(Cem Karaca: Es kamen Menschen an)

Der türkische Sänger Cem Karaca beschreibt in dem Lied von 1984 mit eben diesen Zeilen die Missstände über die Unkenntnis der Mehrheitsgesellschaft zur eigenen Einwanderungsgeschichte. Noch bis heute ist die deutsche Migrationsgeschichte nach den 1960er Jahren nicht in den Schulbüchern verankert, die erste Generation der Gastarbeiter verstorben oder zurück in die Haymat gezogen, dokumentarisches Material liegt verschollen in Koffern herum oder gänzlich verschwunden. Auch in den Museen der Republik wurde die Archivierung für lange Zeit verpasst.
Mit der Workshop-Reihe Es kamen Menschen an laden die Fotojournalistin Emine Akbaba und der Künstlerische Leiter der Universen Murat Dikenci verschiedenste Generationen der Diaspora zu einer kollektiven Ausstellung ein.
Gemeinsam sollen Fotos, Videos, Briefe, Postkarten gesichtet werden, mit Çay und Çekirdek in Erinnerungen geschwelgt und mit wöchentlichen Treffen bis zum 20.11. eine eigene Ausstellung über Hannovers Migrationsgeschichte erstellt werden – denn wenn wir das selbst nicht machen, macht es keiner.