Konzert

6. Sinfoniekonzert: Passion

Joseph Haydn (1732 – 1809)
Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
Hob. XX/1:A
(Orchesterfassung 1785)

29. März 2020

Opernhaus

Termine und Karten

Musikalische Leitung Michele Gamba Installation und Video Olivier Deloeil, Jean-Philippe Clarac

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Inhalt

Im Rahmen des Festivals Passionen spielt das Niedersächsische Staatsorchester Joseph Haydns große Passionsmusik Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze und interpretiert sie zusammen mit dem französischen Künstlerkollektiv le lab für die heutige Zeit.
Als das Orchesterwerk am Karfreitag 1787 zum ersten Mal gespielt wurde, verbanden sich Ritual und Raum, Wort und Musik zum gläubigen Gedenken an das Leiden Jesu. In einer verdunkelten Kirche im spanischen Cádiz erklangen sieben musikalische Meditationen über die letzten überlieferten Worte vom Kreuz. Dazwischen sprach ein Priester theologische Betrachtungen. Eine Vertonung des biblischen Erdbebens nach dem Tod des Gekreuzigten beendete die Andacht. Im Zentrum von Haydns Partitur stehen sieben Adagios, die dem Ausdruck und der Empfindung der Worte nachspüren. Jesus spricht über seine Peiniger, wendet sich an die neben ihm Sterbenden und seine Angehörigen. Am Ende ist er bei sich selbst: seinem Körper und seinen Gefühlen, Aufbegehren, Qual und Ergebung. Haydn wollte, dass die reine Instrumentalmusik „dem Unerfahrensten den tiefsten Eindruck in seiner Seel erweckt“ – die meditative Kraft seiner Sieben letzten Worte erreichte seinerzeit auch als Streichquartett und Oratorium ein großes Publikum.
Im Konzertsaal tritt die künstlerische Auseinandersetzung an die Stelle der religiösen: Die Theatermacher Jean Philippe Clarac und Olivier Deloeuil von le lab kombinieren Haydns Musik mit Video, Bühneninstallation und Literatur. Ihre multidisziplinäre Produktion, 2015 für Lissabon kreiert und nun erstmals in Deutschland zu sehen, verbindet Videoaufnahmen von verschiedensten Menschen beim Hören von Haydns Musik mit Eindrücken von den Schauplätzen der historischen Passion in Jerusalem und einem literarischen Echo der menschlichen Urerfahrung von Leid und Sterben. Sie bewahren die beeindruckende rituelle Kraft der Musik und spiegeln sie in der Gegenwart, gemeinsam mit dem italienischen Dirigenten Michele Gamba, Gewinner des Rudolf Serkin Preises, Konzertdirigent u. a. beim London Philharmonic Orchestra, dem Tokyo Symphony Orchestra und Gast bei den großen Orchestern und Opernhäusern Italiens, darunter die Mailänder Scala.