Schauspiel

Der Mordfall Halit Yozgat

Hier gibt es zwei Alternativen: Entweder hat Herr Temme meinen Sohn selbst getötet oder er hat denjenigen gesehen, der meinen Sohn getötet hat. Ismail Yozgat, Vater des Opfers

Oper von Ben Frost nach der Gegenrecherche
77sqm_9:26min von Forensic Architecture
Koproduktion mit der Staatsoper Hannover
Uraufführung

17. April 2020

Schauspielhaus

Termine und Karten

Inhalt

Am 6. April 2006 wurde der 21-jährige Halit Yozgat als neuntes von insgesamt zehn Opfern der rechtsextremen Terrorgruppe NSU in einem Internet-Café in Kassel durch zwei gezielte Kopfschüsse ermordet. Zur Tatzeit befanden sich fünf Zeug*innen im Café, unter ihnen der damalige Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes Andreas Temme, der behauptet, weder den Mord noch den Toten bemerkt zu haben.
Das renommierte interdisziplinäre Forschungsteam „Forensic Architecture“ rekonstruierte für die documenta 14 in Kassel den Tathergang in Raum und Zeit unter Berücksichtigung der Zeug*innenaussagen und stellte abschließend Unstimmigkeiten bezüglich der Aussagen des Verfassungsschützers fest. Ausgehend von diesen Rechercheergebnissen entwickelt der australische Komponist Ben Frost eine Oper, die die Aussagen der Zeug*innen und damit die widersprüchlichen Versionen des bis heute unaufgeklärten Kriminalfalls nebeneinander stellt.
Ben Frost verbindet in seiner Musik strukturierte Klangkunst mit postklassischer Elektromusik, physische Energie mit leichtfüßiger Melodik, konzentrierten Minimalismus mit raumgreifendem Dark Metal. In seiner Arbeit sucht er nach neuen Wegen der Verbindung von Musik, Körper, Performance und Tanz. Es spielen Mitglieder des Opern- und Schauspielensembles sowie des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover.