Gastspiel / Schauspiel

Joachim Król: Der erste Mensch

Die unglaubliche Geschichte einer Kindheit nach Albert Camus
Mit dem l'Orchestre du Soleil

Schauspielhaus


Inhalt

Musik: Christoph Dangelmaier
Textbearbeitung, Produktion, Inszenierung: Martin Mühleis

Die Schule ein Ort, der einem den Blick auf das Leben öffnet? Ein junger Schüler, für den das Lernen ein wildes Abenteuer ist, bei dem ihm täglich neue Welten erschlossen werden? Der kleine Albert Camus hat das so erlebt. Moderne Bildungspolitiker und Pädagogen müssen sich irritiert die Augen reiben, wenn sie seine Geschichte hören. In einem sensationellen erzählerischen Parforceritt entführt Joachim Król sein Publikum in dieser emotionalen Theaterproduktion als Ich-Erzähler in eine Welt voller Armut, Lebensfreude und „natürlicher Schönheit.“ Die Musik des „Orchestre du Soleil“ liefert den mitreißenden Soundtrack zu diesem hochaktuellen Stück über das „Abenteuer Bildung“, an dessen Ende ein Mann, der als Kind in einer Familie von Analphabeten aufwächst, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird.
Es ist die Kindheits-Geschichte des Literaturnobelpreisträgers Albert Camus. In dessen autobiographischen Roman DER ERSTE MENSCH begibt sich der Protagonist auf die Suche nach seinem Vater, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist und den er nie kennengelernt hat. Damit beginnt für den Erzähler eine Reise zurück in seine Kindheit. Er kehrt heim in die Hitze Algiers, in die Armut und die Unschuld.

Er lässt seine Kindheit Revue passieren, beschreibt – so humorvoll wie berührend und in einer Sprache von poetischer Schönheit – die freie Schwerelosigkeit am Strand, in der Sonne, im Meer. Er erinnert sich an die Rebhuhn-Jagd in der Wüste, zu der er mit seinem Onkel oft am frühen Morgen aufbricht – und vor allem: an das Abenteuer Schule, das ihm eine völlig neue Welt eröffnet. Er erzählt von seiner schweigsamen Mutter im Armenviertel Algiers und der dominanten Großmutter, die nur durch die Unterstützung seines Volksschul-Lehrers davon überzeugt werden kann, dass der Junge ins Gymnasium gehört. Dort, „geworfen in eine unbekannte Welt“, der „unschuldigen Welt entrissen“, begreift er, „dass ich alles, was ich wollte, erreichen würde, und dass nichts, was von dieser Welt ist, mir jemals unmöglich sein würde.“

Joachim Król studierte Theaterwissenschaften in Köln und von 1981 bis 1984 Schauspielerei an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München. Anschließend spielte er an den Schauspielhäusern in Bochum, Basel, Hannover und München, etablierte sich aber auch gleichzeitig als Film- und Fernsehschauspieler.
Mit seiner Rolle als Rudi Kipp in Detlev Bucks Roadmovie „Wir können auch anders“ wurde Joachim Król 1993 einem breiten Kinopublikum bekannt und erhielt für diese Darstellung, seine erste Hauptrolle, den Deutschen Filmpreis. Ein Jahr später folgte sein Durchbruch mit Sönke Wortmanns Kinofilm „Der bewegte Mann“ in der Rolle des schüchternen Schwulen Norbert, für die er erneut mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Nach Filmen von Tom Tykwer, Doris Dörrie, Helmut Dietl, Wim Wenders und anderen namhaften Regisseuren ist Joachim Król mit seiner zurückhaltenden Darstellung aus der deutschen Kinolandschaft nicht mehr wegzudenken.
Seit dem Jahr 2000 machte sich Joachim Król außerdem einen Ruf als TV- Kommissar: Zunächst war er in vier Donna-Leon-Verfilmungen als Commissario Brunetti zu sehen, bevor er von 2007 bis 2010 als „Lutter“ für das ZDF ermittelte. 2011 trat er gemeinsam mit Nina Kunzendorf die Nachfolge von Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki im Frankfurter „Tatort“ an und spielte bis 2014 die Rolle des Hauptkommissars Frank Steier. Aktuelle Projekte sind der von der Kritik gefeierte TV-Film „Über Barbarossaplatz“ sowie „Brechts Dreigroschenfilm“.