Emily Gilchrist

© Bettina Stöß

Die in Dallas, Texas, geborene Emily Gilchrist erhielt ihre Ausbildung am Dance Industry Performing Arts Center, an der DASH Academy sowie bei Regeneration Class/Company. Im Alter von 17 Jahren wechselte sie in das Contemporary Trainee Program der European School of Ballet, wo sie mit Choreograf:innen wie Roslyn Anderson, Lorraine Blouin, Maurice Causey, Michael Fuscaldo, Macarena González, Jiří Pokorný, Allyson Way Wanselius oder Jon Ole zusammen arbeitete und sich mit Werken von Mats Ek, William Forsythe, Jiří Kylián, Goyo Montero oder Juliano Nunes auseinandersetzte. Sie wurde Mitglied der Contemporary Faculty der European School of Ballet, gab im Rahmen der jährlichen Summer und Winter Schools Workshops in zeitgenössischem Tanz und entwickelte auch eigene Choreografien.
Seit der Spielzeit 2026/27 ist Emily Gilchrist Mitglied des Staatsballetts Hannover.

Welche künstlerische Zusammenarbeit hat dich besonders geprägt?
Auch wenn es viele Erfahrungen gibt, die mich tief berührt haben, war die Zusammenarbeit mit Jiří Pokorný während meiner Ausbildung besonders prägend und hat meine Liebe zum Tanz grundlegend beeinflusst. Die Atmosphäre, die er geschaffen hat, lässt sich nur schwer in Worte fassen: sie fühlte sich ganz besonders, ja geradezu heilig an. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Körper, Geist und Seele im Tanz miteinander in Einklang zu bringen – und wie man dieses Gefühl innerhalb eines Stücks nach außen trägt.

Hast du ein bestimmtes Ritual, bevor du die Bühne betrittst?
Vor einer Vorstellung nehme ich mir immer viel Zeit, um mich mit den Menschen zu verbinden, mit denen ich die Bühne teile. Ich liebe diese aufregende, besondere Energie, die eine Gruppe kurz vor einer Vorstellung ausstrahlt – diese Verbindung ist für mich sehr wichtig für eine intensive und wirkungsvolle Aufführung! Darüber hinaus habe ich mein persönliches Ritual: Beim Aufwärmen höre ich spanische Musik in voller Lautstärke. Und schließlich spreche ich in den letzten stillen Momenten, bevor ich die Bühne betrete, immer ein kurzes Gebet für die Sicherheit aller Menschen im Theater und auf der Bühne an diesem Abend.

Welche Persönlichkeit der Tanzgeschichte würdest du gerne auf einen Kaffee treffen – und warum?
Ich würde gerne einen Kaffee mit Isadora Duncan trinken. Sie ist schon seit meiner Kindheit meine „Tanzikone“, daher wäre sie für mich die ganz offensichtliche Wahl! Ich würde sie fragen, wie sie für ihre Zeit so ungewöhnlich mutige Ideen entwickeln konnte und dabei zugleich so viel stilistische Kühnheit und Feingefühl bewies – und wie es ihr gelang, bei der Verfolgung ihrer Vision als Mensch und Choreografin so furchtlos zu sein oder zumindest so zu wirken.

Welche Reaktion nach einer Vorstellung hat dich am meisten gefreut?
Meine erste Vorstellung in Europa hatte ich mit 17 Jahren. Meine Mutter, meine beste Freundin und mein Bruder beschlossen damals, von den USA nach Europa zu fliegen, um mich tanzen zu sehen. Als ich sie nach der Vorstellung sah, wurde mir bewusst, wie unglaublich glücklich ich mich schätzen kann, so großartige Menschen an meiner Seite zu haben – Menschen, die Tausende Kilometer reisen, nur um mich nach einer Vorstellung in den Arm zu nehmen. Ich werde ihre stolzen, glücklichen Gesichter, nachdem ich eine Zeit lang von zu Hause weg gewesen war, nie vergessen. Dieser Moment hat mir sehr viel bedeutet!

Welche Musik hörst du, wenn du nicht arbeitest?
Ich höre sehr unterschiedliche Musik! Meistens findet man mich mit Lorde, Radiohead, The Strokes oder Jeff Buckley auf den Kopfhörern. Ich mag aber auch Popkünstler:innen wie Tate McRae, Sabrina Carpenter oder Charli XCX!

Welche Rolle kann Tanz in unserer heutigen Zeit spielen?
Als Tanzkünstlerin empfinde ich es als großes Glück, ein Medium zu sein, durch das Kunst Menschen aus allen Lebensbereichen erreichen kann. Tanz lässt sich auf wunderschöne Weise durch den einfachen, ursprünglichen und instinktiven Akt der Bewegung und der Verbindung mit anderen Menschen verstehen. Ob Tanz Menschen zum Nachdenken, Lachen, Weinen oder zur Verbindung miteinander bringt oder sie einfach etwas fühlen lässt – für mich hat er dann seine Aufgabe vollkommen erfüllt.