Julia Shelkovskaia
Julia Shelkovskaia ist Sängerin und Performerin. Ihre Ausbildung begann sie am Gnessin Musikcollege in Moskau und setzte sie am Staatlichen Sankt Petersburger Konservatorium fort. Ab 2015 studierte sie Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, wo sie ihren Bachelor- und Masterabschluss bei Thomas Quasthoff und Fionnuala McCarthy machte. Während und nach dem Studium war sie sowohl in klassischen Opernproduktionen und Liedkonzerten als auch in zeitgenössischen und interdisziplinären Projekten zu erleben, darunter in der Uraufführung der Oper Tako Tsubo von Malte Giesen in der Deutschen Oper Berlin, in der Performance von Lee Mingwei: Li, Geschenke und Rituale im Rahmen der Berliner Festspiele sowie in drei Performances von Rachel Monosov. In der Spielzeit 2024/25 war sie als Chorgast an der Volksoper Rostock engagiert. Seit 2025 ist sie Mitglied des Chors der Staatsoper Hannover (1. Alt).
Welche künstlerische Zusammenarbeit hat Sie besonders geprägt?
Unvergesslich ist für mich die Zusammenarbeit im Rahmen der Performance Lee Mingwei: Li, Geschenke und Rituale im Gropius Bau während der Corona-Zeit. In diesem Format wählt eine Opernsängerin oder ein Opernsänger eine Person aus dem Publikum aus und fragt: „Darf ich Ihnen ein Schubert-Lied schenken?“ Ich sang Schuberts Frühlingsglaube für eine Besucherin. Nach dem Lied kam sie weinend zu mir und erzählte, dass dieses Stück sie in einer sehr schwierigen Phase ihres Lebens begleitet und ihr neue Hoffnung gegeben habe. Dieser Moment hat mir eindrucksvoll gezeigt, wie unmittelbar Musik wirken kann, gerade in Zeiten von Distanz und Isolation.
Welche Rolle kann die Oper in unserer Zeit spielen?
Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen glaube ich, dass Oper heute vor allem ein Raum für intensive, echte Begegnungen sein kann. Ein Ort, an dem Menschen starke Emotionen zulassen dürfen — getragen von Stimme, Musik und gemeinsamer Präsenz.
Oper und Gesang besitzen die Fähigkeit, etwas im Innersten zu berühren, uns zu trösten und zu heilen. Gerade in einer Zeit, die von Distanz, Beschleunigung und Vereinzelung geprägt ist, kann das Musiktheater einen Gegenpol bilden: nicht als distanziertes Kunstprodukt, sondern als unmittelbares, intimes Erlebnis.