In einem Videointerview zur Opernproduktion Homo Oeconomicus geben die Regisseurin und Librettistin Helena Röhr und die Komponistin Andrea Tarrodi Einblicke in den Entstehungsprozess der Uraufführung.

Zu sehen ist ein Miniaturmodell der Bühne für die Oper Homo Oeconomicus. Der Raum ist durch weiße, leicht transparente Stoffbahnen gegliedert, hinter denen ein angedeutetes historisches Fenster sichtbar ist. Im Vordergrund stehen ein kleines Bett mit einer braunen Decke und ein antikes hölzernes Möbelstück. In der Mitte ist eine Frauenfigur in einem weit geschnittenen Kleid mit floralen Mustern zu sehen, das stilistisch die Epoche des späten 18. Jahrhunderts widerspiegelt.

Als nächstes wird die Regisseurin Helena Röhr während des Interviews gezeigt. Sie trägt ein schwarzes Oberteil und hat leicht gewelltes, blondes Haar. An ihrem Oberteil ist ein kleines Mikrofon befestigt. Der Hintergrund ist dunkel und zeigt unscharfe, abstrakte Muster in grünlichen Farbtönen sowie vertikale Elemente, die zum Bühnenbild des Stücks gehören können.

Helena Röhr erläutert das zentrale Konzept der Oper: „Als hätte der Kapitalismus ein Kind mit sich selbst.“ Anschließend erklärt sie die thematische Ausrichtung des Werks: „Homo Oeconomicus ist eine Oper über Geld und darüber, was Geld mit uns macht, wenn wir viel Geld haben, und wenn wir kein Geld haben, wenn wir arm sind.“ Dabei betont sie die Vielschichtigkeit des Themas und sagt: „Es geht also sowohl um die Struktur der Wirtschaft in unserer Gesellschaft. Wir nennen es manchmal Kapitalismus, aber es geht auch um unsere persönliche Beziehung zum Geld, unser Bedürfnis nach Geld und unser Bedürfnis nach Fürsorge.“

Eine Übersicht von Bühnenmodellen für die Oper „Homo Oeconomicus“ wird gezeigt. Auf sechs Fotos sind verschiedene Szenen eines kreisförmig angeordneten Bühnenraums dargestellt, der durch transparente Stoffbahnen, Möbelstücke und Figuren gestaltet ist. Zu sehen sind Variationen wie ein historisch eingerichteter Raum mit antikem Mobiliar, moderne Elemente mit simplen Tischen und Regalen. Die Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen und atmosphärischen Gestaltungen verdeutlichen das Konzept der Oper. 

Röhr führt aus, wie lange sie die Idee zu dieser Oper bereits mit sich trug: „Ich habe diese Idee tatsächlich seit etwa 11 Jahren. Sie ist also sehr langsam in meinem Unterbewusstsein gewachsen.“ Die Möglichkeit, die Oper zu realisieren, kam für sie überraschend, und sie erinnert sich: „Und als ich dann die Anfrage von Ann-Christine Mecke von der Staatsoper Hannover bekam, die Oper tatsächlich zu machen, fragte ich mich: Kann das wirklich wahr sein?“

Die Handlung der Oper spielt in zwei unterschiedlichen Zeitwelten, wie Röhr erläutert: „Diese Oper spielt also in zwei verschiedenen Zeiten, sowohl in den 1770er Jahren, wo wir Adam Smith treffen werden, der als Gründervater der nationalen Wirtschaft gilt.“ Sie ergänzt: „Er und seine Mutter, Margareth Douglas, leben zusammen. Und das ist eine historische Tatsache. Das sind also historische Persönlichkeiten. Aber ich habe natürlich darüber fantasiert, wie sie lebten.“ Parallel dazu gibt es eine moderne Perspektive: „Und dann haben wir eine moderne Frau namens Melissa, die wirklich versucht, alles zusammenzubringen. Sie hat viele, viele Jobs. Und obwohl sie ungefähr vier Jobs hat, schafft sie es nicht, sich über Wasser zu halten, weil die Wirtschaft für sie nicht funktioniert. Und sie hat auch einen Sohn, Alfred.“

Eingeblendet wird nun eine Moodboard-ähnliche Sammlung aus Fotografien, die als Inspiration für die visuelle Gestaltung der Oper dient. Die Bilder sind an einer Wand befestigt und beinhalten unterschiedliche Motive: Ein Mann im Anzug mit strengem Ausdruck und hochgehaltener Hand in einem modernen urbanen Hintergrund, eine Gruppe von Personen in Business-Kleidung auf einer belebten Straße, sowie Szenen, die Elemente von Büroarchitektur und zeitgenössischer Business-Ästhetik zeigen. Einige Ausschnitte deuten auf die stilistischen Einflüsse des Stücks hin, darunter urbanes Ambiente und klassische Business-Kultur. Das Bild vermittelt, dass diese visuelle Recherche die Inszenierungsästhetik der Oper prägen könnte.

Eine zentrale Figur, die beide Zeitstränge verbindet, ist Homo Oeconomicus, erläutert Helena Röhr: „Und dann in der Mitte haben wir Homo Oeconomicus, der hier so etwas wie ein Zeremonienmeister ist. Wenn der Kapitalismus ein Kind mit sich selbst hätte, dann wäre es Homo Oeconomicus, der Wirtschaftsmann. Und er geht zwischen den Zeiten hin und her und erzählt die Geschichte, aber er wird auch sehr von der Geschichte beeinflusst.“

Andrea Tarrodi, die Komponistin der Oper, steht in einem hellen, minimalistischen Innenraum vor einer weißen Treppe mit goldener Handlaufleiste. Sie trägt ein blaues Oberteil mit schwarzem Kragen sowie mehrere silberne Halsketten und ein kleines Mikrofon. Der Hintergrund ist schlicht und unscharf, sodass der Fokus auf ihr als sprechende Person liegt.

Andrea Tarrodi spricht über die musikalischen Inspirationen und betont eine besondere Verbindung mit Röhr: „Helena und ich haben beide einen Lieblingsfilm, Cabaret, mit Liza Minnelli. Sie werden also definitiv einige Elemente von Kabarettmusik in diesem Stück hören, neben der zeitgenössischen Musik, die ich schreibe.“ Sie hebt die Vielfalt der musikalischen Einflüsse hervor: „Aber ich wurde sehr von dieser Kabarettmusik inspiriert, und wir haben auch eine Frank-Sinatra-Ballade in diesem Stück.“ Abschließend erklärt sie, wie sich die verschiedenen Musikrichtungen in der Oper zusammenfügen: „Am Ende kommt alles zusammen: All die Musik, die zeitgenössische Musik, verbunden mit diesem Kabarett-Stil.“

Eine große, mit Bühnenentwürfen und Bildvorlagen gestaltete Pinnwand wird eingeblendet. Der Titel Homo Oeconomicus und Angaben zu Premiere und Autorinnen sind lesbar. Zu sehen sind Entwürfe von Bühnenlayout, Architekturdetails, Naturmotive und Inspirationen für Holz- und Gazewände. 

Tarrodi beschreibt ihren Ansatz bei der Komposition: „Ich mag es nicht, wenn Musiker:innen zu viel an etwas üben müssen, das wirklich kompliziert ist. Deshalb schreibe ich Musik gerne einfach, damit man wirklich an den Phrasen arbeiten und Musik machen kann.“

Abschließend betont Helena Röhr die besondere Zusammenarbeit mit Andrea Tarrodi: „Ich habe schon eine Oper mit Andrea Tarrodi zusammen gemacht. Wenn wir zusammen eine Oper schreiben, ist es so, als wären wir uns sehr nah. Es ist eine sehr enge Zusammenarbeit.“ Sie fügt hinzu: „Fast so, als würden wir die Sätze der anderen beenden.“ Die Regisseurin beschreibt ihre Freude daran, dass ihre lang gehegte Vision endlich realisiert werden konnte: „Und da ich diese Vision so lange hatte, ist es fantastisch, sie mit diesen fantastischen Sänger:innen und dem Chor auf der Bühne zum Leben zu erwecken.“