„Lesen Sie nur Shakespeares Sturm!“ soll Ludwig van Beethoven seinem Biografen Anton Felix Schindler zugerufen haben, als dieser angeblich nach dem „Sinn“ von Beethovens d-Moll-Klaviersonate fragte. Für das Zweite Sinfoniekonzert würde sich die Lektüre von Shakespeares Romeo und Julia noch mehr eignen. Denn im Vorfeld unserer Ballett-Premiere – Sergei Prokofjew: Romeo und Julia, ab 6.11.2026 – bieten wir die Möglichkeit, sich zwei anderen, rein instrumentalen Blickwinkeln auf Vertonungen des weltumspannenden Shakespeare-Stoffs zu widmen: Joachim Raffs Orchestervorspiel zu Romeo und Julia tönt dunkel, episch-balladenartig, urromantisch und wurde bislang von nur ganz wenigen Orchestern weltweit gespielt. Ganz im Gegensatz zu Pjotr Tschaikowskis handfester Fantasie-Ouvertüre Romeo und Julia, die Handkantenschläge des Schicksals unmissverständlich ins Opernhaus zimmert. Zwischen den beiden Romeo-Erfahrungen pustet Beethoven uns zweimal in C-Dur die Ohren frei. Schon dessen erste Sinfonie begann für die damaligen Lauscher so frech, so ungewohnt kühn, dass die Vorzeichen für andere revolutionäre Ausritte gewissermaßen gesetzt waren. Und bei Beethovens Triplekonzert C-Dur – gespielt vom Trio Orelon (1. ARD-Preis 2023) – haben wir es mit einem der freiesten, virtuosesten Lustausbrüche Beethovens überhaupt zu tun. Der frühe, spritzige Beethoven, eingerahmt von zwei romantischen Romeo-und-Julia-Variationen! Liebe und Neubeginn, jung sein, verliebt sein, tot sein; und im Hintergrund: die toxische Familie …