Junges Schauspiel
Pssst!
Von Cathrin Rose
Leitung Junges Schauspiel und Stadtdramaturgie
Kinder sind das anspruchsvollste, ehrlichste und spontanste Publikum, das ins Theater geht. Sie sind offen, voller Fantasie, sie nehmen die Behauptung Theater ernst und lassen sich meist bedingungslos auf das Spiel ein. Nichts ist schlimmer als eine stille Aufführung für ein sechsjähriges Publikum. Sie kommentieren laut, besprechen voll Enthusiasmus das Bühnengeschehen mit ihren Sitznachbar*innen. Shakespeare hätte seine Freude daran! Und wenn sie sich langweilen oder das Stück einfach nicht gut ist — tja, dann wird es eben noch unruhiger, und kein Pssst der Welt kommt dagegen an.
Beim jugendlichen Publikum sind die Anforderungen andere. Hier bleiben die Reaktionen häufig ganz aus. Unlesbare Gesichter: Gefällt ihnen das Stück jetzt eigentlich oder nicht? Aber so wie das Kinderpublikum wollen sie von den Künstler*innen ernst genommen werden und merken innerhalb von Minuten, ob das der Fall ist oder nicht. Und wenn nicht, wird es auch hier unruhig, und auch hier braucht man mit dem Pssst gar nicht erst anzufangen.
Und das könnt ihr in den vier neuen Inszenierungen des Jungen Schauspiel erleben: Wie beim Spiel um Wahrheit und Lüge in „Propadanga“ (ab 13 Jahren) das Publikum nicht mehr weiß, ob jetzt für sie oder mit ihnen gespielt wird, zum Beispiel. Oder wie bei „Die rote Zora“ (ab 6 Jahren) eine Gruppe von Kindern um ihren Platz in der Gesellschaft kämpft. Und wie sieht wohl ein Stück aus, bei dem die zwei Hauptdarsteller*innen sich gar nicht begegnen und trotzdem eine enge Beziehung zueinander entwickeln? Das passiert in „Und die Welt, sie fliegt hoch“ (ab 11 Jahren), der Geschichte von Sarah Jäger, die den Jugendliteraturpreis 2025 gewonnen hat. Und schließlich „Antigone“ (ab 16 Jahren), eine der mutigsten Personen der Antike, die sich einer Gesellschaft, einem Herrschaftssystem widersetzt, in dem für eine Person wie sie eh kein Platz ist und das sie mit ihren Taten herausfordert. Antigone muss machen, was richtig ist, nicht, was erlaubt ist.
Also kommt vorbei und spielt mit uns! Kommt mit Schulklassen, Vereinen, als Familie oder einfach nur so allein. Und wenn irgendwem mal wieder das PSSST auf der Zunge liegt, denkt an Shakespeare, der sich über ein ruhiges Publikum ärgern würde. Dabei waren zu seiner Zeit fast nur Erwachsene im Theater.