Staatsoper


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Erdig brütend, brodelnd hebt Pascal Dusapins Orchesterstück Go. Solo Nr. 1 an. Ein Werk wie eine Erdplattenverschiebung, tektonisch-architektonisch – und zugleich avantgardistische Einleitung zu Gustav Mahlers Lied von der Erde, einem sinfonischen Liederzyklus auf Gedichte des aus Schwaben stammenden Dichters Hans Bethge. Das mächtige und doch so lyrische Werk entstand 1908 im südtiroler Pustertal. Und hier, umgeben von Bergen, widmete sich Mahler dem Studium der Bethge-Gedichte: Nachdichtungen altchinesischer Lyrik. Mahler war fasziniert von dem „Parfüm“, das diese Zeilen umgab; Exotismus, Weisheit, der Blick einer anderen Kultur auf das Leben. Ein Leben, unter dem Mahler zunehmend litt: die schwierige Ehe mit seiner Frau Alma, der ekelhafte Antisemitismus, den Mahler in Wien ertragen musste, die Sorge um die eigene Gesundheit – und nicht zuletzt der tragisch frühe Tod seiner Tochter Maria Anna im Juli 1907. Zu allem Überfluss konnte Mahler das Werk im Konzertsaal nicht mehr live erleben. Er starb am 18. Mai 1911 in Wien. Das Lied von der Erde kam sieben Monate später, am 20. November des Jahres posthum in Wien erstmals zum Erklingen. Dem Uraufführungsdirigenten Bruno Walter hatte Gustav Mahler damals noch kurz vor Abschluss der Arbeit an der Partitur in einem Brief geschrieben: „Ich war sehr fleißig. Ich weiß es selbst nicht zu sagen, wie das Ganze benamst werden könnte. Mir war eine schöne Zeit beschieden und ich glaube, dass es wohl das Persönlichste ist, was ich bis jetzt gemacht habe.“

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