Libretto von Paul Schott nach Georges Rodenbach
Mit Die tote Stadt schuf Erich Wolfgang Korngold 1920 mit gerade einmal 23 Jahren ein kluges Spiel der Trauerbewältigung aus Traum und Wirklichkeit. Während sich die erzählerischen Ebenen untrennbar vermischen, entwickelte Korngold dazu eine fein ausgeklügelte Partitur, die „Traumarbeit“ zum musikalischen Prinzip erklärt. Seine überwältigende, farbenreiche Instrumentation macht die Geschichte um Paul und Marietta zum sinfonischen Trip einer folgenreichen Begegnung.
Die Regisseurin Ilaria Lanzino richtet mit Die tote Stadt den Blick auf ein Reich jenseits der Schwelle – ein post-mortem Abstieg in die Welt einer Frau, die sich das Leben nahm. Nach dem plötzlichen Verlust bleiben bei den Zurückgebliebenen Fragen, die sie nicht loslassen. Im Zentrum steht Paul, dessen Suche ihn in die Tiefen einer ungreifbaren Wahrheit führt: Wer war die Frau an seiner Seite – und was blieb ihm zu Lebzeiten an ihr verborgen? Zwischen Erinnerung und Halluzination, Sehnsucht und Trugbild entfaltet sich ein vielschichtiges Kammerspiel über Verlust, rätselhafte Nähe und die Unmöglichkeit, den anderen je vollständig zu kennen.
Termine und Tickets
Die tote Stadt Samstag, 23. Mai 2026, 19:30 – 22:20 Uhr, Opernhaus
Die tote Stadt Freitag, 29. Mai 2026, 19:30 – 22:20 Uhr, Opernhaus
Die tote Stadt Sonntag, 07. Juni 2026, 18:30 – 21:20 Uhr, Opernhaus
Die tote Stadt Donnerstag, 18. Juni 2026, 19:30 – 22:20 Uhr, Opernhaus
Die tote Stadt Samstag, 27. Juni 2026, 19:30 – 22:20 Uhr, Opernhaus
Der Tod der Künstlerin Marie hat in ihrer Familie viele Fragen offengelassen. Ehemann Paul kann ihren Tod nicht begreifen und bewahrt wie besessen ihr Andenken in dem Zimmer, in dem sie starb. Sein bester Freund Frank besucht ihn und ist besorgt: Paul spricht von Marie, als würde sie noch leben. Auf dem Höhepunkt von Pauls Hilflosigkeit erscheint Marietta, eine geheimnisvolle Gestalt, die genau wie Marie aussieht und sogar die gleiche Stimme besitzt. Marietta zeigt Paul eine Seite seiner Frau, die er nicht kannte. Ein gemeinsames Lied löst eine Reise in Maries verborgenes Leben aus.
Zweites Bild
Auf der Suche nach Antworten über Maries Tod taucht Paul in die Welt ihrer Kunst ein: Ihre künstlerische Tätigkeit war geprägt von Leistungsdruck und Scham, von Rausch und extremen Stimmungsschwankungen. Zudem erfährt er, dass Marie ein Verhältnis mit seinem besten Freund Frank hatte. Pauls Bild von seiner Ehefrau hält all dem Neuen nicht stand. Er kommt der Wahrheit über Maries Tod zwar näher, entwickelt jedoch zugleich eine Wut darüber, dass sie den gemeinsamen Familientraum zerstört hat. Die Konfrontation mit diesen neuen Erkenntnissen treibt ihn an den Rand des Wahnsinns.
Drittes Bild
In der Stadt findet eine Prozession statt. Es ist Maries Beerdigung, die zum öffentlichen Ritual wird und ganz auf das Bild zugeschnitten ist, das Paul von ihr hatte: die vorbildliche Ehefrau, die Künstlerin als Ikone. Doch das widersprüchliche, lebendigere Bild, das Marietta hinterlassen hat, sucht Paul heim. Die Stadt, die das Starre liebt und das Lebendige verdammt, dringt in Pauls Trauer ein – mit Sensationsgier, Stigma, Verurteilung. Paul bricht zusammen. Seine Familie und Frank fangen ihn auf.
- Musikalische Leitung Mario Hartmuth
- Inszenierung Ilaria Lanzino
- Bühne Martin Hickmann
- Kostüme Vanessa Rust
- Licht Johannes Paul Volk
- Video Max Schweder
- Chor Lorenzo Da Rio
- Kinderchor Tatiana Bergh
- Dramaturgie Christian Förnzler
- Xchange Siiri Niittymaa
- Paul Mirko Roschkowski
- Marietta / Die Erscheinung Mariens Kiandra Howarth
- Frank Peter Schöne
- Brigitta Anthea Barać
- Juliette Julia Sturzlbaum
- Lucienne Cassandra Doyle
- Victorin Michał Prószyński
- Fritz Max Dollinger
- Graf Albert Uwe Gottswinter
- Chor der Staatsoper Hannover
- Kinderchor der Staatsoper Hannover
- Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Rund eine Woche vor den Opernpremieren öffnen wir eine Probe auf der Opernbühne für Publikum: Beteiligte der Produktion informieren Sie über die Inszenierung, den Arbeitsstand und die besonderen Herausforderungen der Produktion, bevor die Probenarbeit direkt verfolgt werden kann.
Hör'n Sie mal!
Regelmäßig widmen wir uns unseren Neuproduktionen in einem eigenen, etwa 1 1/2-stündigen Programm mit Fokus auf der Musik: Die Dirigenten der Neuproduktionen erläutern im Gespräch mit den Dramaturg:innen der Staatsoper anschaulich Besonderheiten der Partitur und Möglichkeiten, die sich daraus für die szenisch-musikalische Interpretation ergeben. Ein Angebot für alle, die mehr wissen wollen. Zu den Terminen
Premieren-Perspektive
Im Rahmen der Premieren-Perspektiven können Sie den Entstehungsprozess der Premiere aus nächster Nähe erleben: Vom musikalischen Workshop über einen Probenbesuch und eine Schreibwerkstatt bis zum Premierenabend und abschließenden Nachgespräch. Mehr dazu
Das Niedersächsische Staatsorchester und Dirigent Mario Hartmuth verwandeln eindrucksvoll die Vorlagen, die Korngolds feinsinnige und farbenreiche Orchestrierungskunst in Fülle liefern. Der Klang fließt und blüht (…) Korngold fordert seine Sängerinnen und Sänger mit äußerst strapaziösen Partien, aber er hat ihnen auch viel zu bieten. Kiandra Howarth etwa hat in Hannover schon in vielen großen Rollen überzeugt. So hell wie hier als Marietta hat ihr Sopran aber wohl noch nicht gestrahlt. (…) Die Nebenrollen sind mit einem Ensemble um Max Dollinger vorzüglich besetzt, und auch Chor und Kinderchor (Einstudierung: Lorenzo Da Rio und Tatiana Bergh) tragen zum musikalischen Erfolg dieser späten Erstaufführung bei.
Furios und omnipräsent spielt sich das Orchester unter der versierten Leitung seines stellvertretenden GMDs Hartmuth durch die reichhaltige und komplizierte Partitur. Diese Leistung zählt zum musikalischen Höhepunkt des Premierenabends. Das Raunen und Flirren in den Zwischenspielen, die wahnhaften Szenen des Pauls und das versöhnliche Ende mit veritablen „Rosenkavalier“-Anklängen gelingen exakt, differenziert und packend. (…) Insgesamt ist das eine Produktion von sehr hohem und ansprechendem Niveau, die mit interessanten und nachvollziehbaren Mitteln arbeitet und überzeugt.