Konzert

5. Sinfoniekonzert: CHAOS

Jean-Fery Rebel (1666 – 1747)
Chaos aus Les Elemens

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sinfonia concertante Es-Dur KV 297b
für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott und Orchester

Joseph Haydn (1732 – 1809)
Die Vorstellung des Chaos. Vorspiel aus Die Schöpfung

Igor Strawinsky (1882 – 1971)
Le Sacre du printemps

Opernhaus


Ab 12 Jahren

Termine und Karten

Inhalt

Chaos und Ordnung sind zwei Pole, zwischen denen sich die Kunst bewegt. Das reine Chaos ist keine Kunst, ebensowenig wie die reine Ordnung. Doch faszinierend sind immer wieder die Grenzgänge in das eine oder andere Extrem – wie im Programm des 5. Sinfoniekonzerts zusammengeführt, mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover und Bläser-Solist:innen aus den eigenen Reihen unter der Leitung von GMD Stephan Zilias.

"Es ist das Wunderbarste aller Welt, indem durch ordentliche, methodische, ausgemachte Kunstmittel ein Chaos hervorgebracht ist, das die Empfindung einer bodenlosen Unordnung zu einer Empfindung des Vergnügens macht." (Carl Friedrich Zelter)

Jean-Féry Rebel und Joseph Haydn schildern in den Orchestervorspielen zu ihren musikalischen Schöpfungsgeschichten das Chaos mit den Mitteln der Musik. Unerhört und ohne Rücksicht auf Hörgewohnheiten konstruiert Rebel einen Zusammenklang aller Töne, Klangballungen, wie sie erst Komponisten viele Jahrhunderte später aufgeschichtet haben.

"Ich habe es gewagt, die Konfusion der Elemente mit der Konfusion der Harmonie zu verbinden." (Jean-Féry Rebel)

Joseph Haydn erweckt den Eindruck des Chaos dadurch, mit höchster Kunstfertigkeit die Erwartungen zu schüren und dann nicht zu erfüllen. Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart hingegen ist in ihrer Kunstfertigkeit so unerhört klar und geordnet, dass sie als unerklärliches, unnachahmliches Abbild göttlicher Harmonie gedeutet wurde, und ihr Schöpfer als "himmlisches Genie" (Leonard Bernstein).

"Die Kunst ist das Gegenteil des Chaos. Wenn sie sich dem Chaos ausliefert, sieht sie sich unverzüglich in ihrem lebendigen Werken, ja selbst in ihrer Existenz bedroht." (Igor Strawinsky)

Die Uraufführung von Igor Strawinskys Ballettmusik Le Sacre du printemps provozierte einen legendär gewordenen Theaterskandal: Im Frühlingsopfer verbinden sich die Sehnsucht des zivilisierten Menschen nach der ursprünglichen Einheit mit der Natur und der schamanische Ritus des Menschenopfers. Diese Flucht in die archaische Vergangenheit gestaltet Strawinsky paradoxerweise mit avanciertesten musikalischen Mitteln. Als vermeintliches Chaos trafen sie das Pariser Publikum 1913 geradezu schockhaft, und auch heute noch ergreift die Wucht der Musik unmittelbar. Folklore wird zum musikalischen Rohstoff, das gesamte Orchester verwandelt sich in ein großes, unberechenbares Schlagwerk.