Eine Welt voller Oberflächen

Wenn Bilder zum Leben erweckt werden: Das Bildnis des Dorian Gray nach dem Roman von Oscar Wilde ist im Ballhof Eins zu sehen.

 

 
Foto: Anneli von Klitzing
 
 
Foto: Anneli von Klitzing
 

Der wunderschöne Dorian Gray wird im Atelier des Malers Basil Hallward porträtiert. Als er das Portrait erblickt, wird ihm plötzlich bewusst, dass das Bild hat, was er niemals besitzen wird: ewige Jugend „Könnte sich nur das Bild ändern und ich immer bleiben, wer ich jetzt bin!“ ...

 

 

In seinem Roman Das Bildnis des Dorian Gray zeichnete der irische Schriftsteller Oscar Wilde 1890 eine der bekanntesten Doppelgänger-Figuren der Weltliteratur. Wilde war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Öffentlichkeit schon durch seine Gedichte, Kurzgeschichten und Theaterstücke bekannt. Doch mit dem Roman wurde er zur Ikone und hat maßgeblich das Verständnis viktorianischer Literatur im Hinblick auf Männlichkeits- und Sexualitätsvorstellungen verändert.

 

Von den verstörenden Lebensweisheiten des Dandys Lord Henry verführt, ist die Hauptfigur Dorian Gray bereit, seine Seele zu verpfänden: Nicht sein Körper, sondern das hergestellte Bild soll an Stelle des Abgebildeten altern und Dorians reale Schönheit für immer bestehen bleiben. Sein körperliches und moralisches Degenerieren verzeichnet von nun an das Bildnis. Er verliert alle Hemmungen und führt über 20 Jahre als lebendes Kunstwerk ein Dasein jenseits der gesellschaftlichen Regeln und Konventionen.

 

 

 
Foto: Anneli von Klitzing
 
 
Foto: Anneli von Klitzing
 

... Doch kein Wunsch ohne Folgen: Seine Jugend darf er von nun an behalten. Doch seinen Fall in die Abgründe menschlichen Handelns verzeichnen von nun an die Bilder, die ihn wie Geister jagen.

 

 

In seiner Adaption entwirft der Regisseur Nikolas Darnstädt eine Welt voller Oberflächen, Screens und sich exponierender Kunstfiguren, die in ihrer unstillbaren Sucht nach ewigem Ruhm in sich selbst ertrinken. Hergestellte Bilder verselbstständigen sich und sukzessive tritt der totale Kontrollverlust der Bilder ein.

 

Die kurze Bildstrecke stammt von der Videodesignerin der Produktion Anneli von Klitzing und gibt einen ersten Vorgeschmack auf die Bildmaschine, die im Ballhof Eins losgetreten wird.

 

 

Mazlum Nergiz