Ausstellungen 2020/21

Spurensuche. Vom Befragen der Dinge

 

Sonderausstellung 11.10.2020 – 14.03.2021

 


Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Carsten Niemann

 

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit – nicht immer. Es blinken und Blitzen zuweilen gut sichtbar von seinem Grunde her alt geschliffene bunte Scherben. Sie werfen spiegelnd ein flirrend’ Licht aus der Untiefe der Vergangenheit an die Oberfläche der Gegenwart.“
Gerhard Stadelmaier

 

 

Die Idee unserer neuen Sonderausstellung ist es, ganz unterschiedliche Objekte aus unserer Sammlung auf ihre Geschichte hin zu befragen und zum Leben zu erwecken: Ein Brief der Tänzerin Mary Wigman, ein Türgriff des Opernhauses, die Totenmasken des Regisseurs Kurt Erhardt, der Reisepass des Bühnenbildners und Gründers des Theatermuseums Kurt Söhnlein, die Personalakte des Theaterarztes Dr. Georg Fischer aus dem 19. Jahrhundert, eine Bronzebüste des Schauspielers Max Gaede, ein Telegramm des Regisseurs Peter Zadek, eine Visitenkarte des Intendanten Prof. Franz Reichert, die signierten Fotos des Schauspielers Paul Hagemann, eine Schellackplatte der Sängerin Cäcilie Rüsche-Endorf, der Führerschein der Schauspielerin Margarete Schönzart aus den 1930er Jahren, die Kostüme der Tänzerin Yvonne Georgi, das Bühnenbildmodell der Fledermaus, die Theaterplakate von Kurt Schwitters, die Bühnenschuhe von Willi Wissiak – und vieles, vieles mehr.

 

Umrahmt werden diese Gegenstände - die auch einen Eindruck geben sollen über den großen Bestand unseres Archivs – von Hannovers Theatergeschichte: Vom französischen Hoftheater der Welfenherzöge zu Beginn des 17. Jahrhunderts über die Bühne der Wanderkomödianten, des Hoftheaters auf Aktien, des Königlichen Hoftheaters und der Städtischen Bühnen führt der Weg zum heutigen Niedersächsischen Staatstheater.

 

In den Mittelpunkt unserer neuen Sonderausstellung haben wir den Film Das Gesicht einer Stadt aus dem Jahr 1932 gestellt, der die Stadt Hannover ein letztes Mal vor der großen Zerstörung im 2. Weltkrieg auf berührende Weise zeigt.

 

In weiteren Stationen sehen Sie u.a. Filmausschnitte über den Wiederaufbau der Oper nach 1945, Theaterszenen mit Hanns Lothar und Kurt Erhardt aus den 1950er Jahren und eine Ballettinszenierung von Yvonne Georgi mit dem Tänzer Harald Kreutzberg von 1961.

 

In unserer Hörbox begegnen Ihnen historische Aufnahmen von Sänger*innen, die vor 1945 auf der Bühne des Opernhauses in Hannover stehen.

 


Theaterzettel: Emil und die Detektive
Foto: Carsten Niemann
 

 

Was wir in unserer neuen Sonderausstellung vorhaben, zeigt ein Blick auf den Theaterzettel Emil und die Detektive: Im März 1946 wird in Hamburg Zuckmayers Katharina Knie gegeben. Einer der Zuschauer ist Walter Heidrich, der Intendant der Niedersächsischen Landesbühne in Hannover. Er sucht im Auftrag der britischen Besatzer für sein neu gegründetes Theater Darsteller. Besonders ein junger Schauspieler hat es ihm angetan und er bietet ihm ein Engagement an. Der nicht einmal 18-jährige Schauspieler unterschreibt einen Vertrag als jugendlicher Komiker und Naturbursche. Und so geht er auf Tour durch Niedersachsen und ist nicht nur als Gustav mit der Hupe, sondern auch in Max Halbes Schauspiel Der Strom und in Robinsons Abenteuer zu sehen.

 

Der Schauspieler, der hier in Hannover kurz nach dem Krieg seine Karriere beginnt, wird keine zehn Jahre danach zu einem der beliebtesten Filmstars der Nachkriegszeit in Deutschland – der dann nur wenig später zu einer Handvoll deutschsprachiger Darsteller gehört, die auch eine internationale Karriere schaffen. Sein Name: Hardy Krüger.

 

Das ist nur eine Geschichte, die dieser Theaterzettel erzählen kann. Welche stecken hinter den anderen 27 Namen? ... z.B. Claus Harms (Bankvorsteher): er wird ein langjähriger und erfolgreicher Kritiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung – oder Irene Koss (Pony Hütchen): sie wird Anfang der 1950er Jahre die erste Fernsehansagerin der Bundesrepublik ...

 

Es gibt einen Film über Marcel Reich-Ranicki, der ihn auf einer Zugfahrt durch Deutschland zeigt. Am Fenster zieht die Loreley am Rhein vorbei. Reich-Ranicki schaut und lacht: „Was wäre die Loreley ohne den Dichter Heinrich Heine? Nur irgend so ein Felsen in der Landschaft.“

 

 

Weitere Bilder aus der Ausstellung finden Sie auch unter Aktuelles.