Ausstellungen 2020/21

Spurensuche. Vom Befragen der Dinge

 

Ab 11. Oktober 2020

 

Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Carsten Niemann

 

 

„Hier nun der Koffer mit Material, evtl. für Ihr Museum. Ich hoffe Sie können etwas damit anfangen. Der Koffer enthält Dokumente und Fotos einer Schauspielerfamilie. Die Familienmitglieder waren an verschiedenen Theatern engagiert. Hauptsächlich sind es Dokumente von Frau Titkary-Lipski und ihrem Sohn Hans Hintze. Ich habe die Sachen ‚geerbt’ von einer alten Dame, die ich betreut habe ein paar Jahre. Sie hieß Vilma Schiefelbein, geb. 1909, verstorben 2007. Sie war nicht Schauspielerin und Tochter des Schauspielers Hans Hintze. Er war sehr talentiert wie Sie sehen können. Seine Mutter war die ebenso erfolgreiche Antonie (Toni) Titkary. Seine Tochter, die Schauspielerin Marcella (Ella) Titkary war auch an verschiedenen Theatern tätig. Ferner war eine Tochter Vilma Titkary. Sie hat nach ihrer Heirat nicht mehr gearbeitet. Viele Verwandte und Vorfahren waren auch Schauspieler. Dies alles schreibe ich Ihnen, um Ihnen einen ‚roten Faden’ zu geben. Hans Hintze war auch Rundfunksprecher in Breslau und vieles andere mehr. Ich hoffe, daß Sie einiges verwenden können. Interessant sind sicher die Programmankündigungen. Die Ahnendokumente lege ich nur bei wegen einer Klarstellung der Familiengeschichte. Bitte vernichten Sie, was nicht gebraucht wird. Es wäre nett, wenn ich eine kleine Nachricht von Ihnen bekäme.

 

Mit freundlichem Gruß
E. H.

 

… Nachtrag. Vor sechs Jahren und mehr hat mir Frau Schiefelbein ausführlich über alle Theater, alle Schauspieler und die Familiengeschichten erzählt. Ich kannte die Zusammenhänge. Damals wusste ich noch nicht, dass ich ihren Haushalt mal auflösen muss. Sie wollte später nicht mehr reden über alles und ich habe doch einiges vergessen.“

 

 

Ein Brief der Tänzerin Mary Wigman, der Türgriff des Opernhauses, die Totenmasken des Regisseurs Kurt Erhardt, der Koffer des Bühnenbildners Kurt Söhnlein, die Personalakte des Theaterarztes Dr. Georg Fischer, die Bronzebüste des Schauspielers Max Gaede, die Visitenkarte des Intendanten Prof. Franz Reichert, die Noten der Gralsglocke, die signierten Fotos des Schauspielers Paul Hagemann, die Tanzkostüme von Yvonne Georgi, das Bühnenbildmodell der Fledermaus …

 

In unserer als temporär gedachten neuen ständigen Ausstellung wollen wir Ihnen ab dem 11. Oktober 2020 die Geschichte des Theaters aus der Sicht ganz ungewöhnlicher Objekte erzählen.

 

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?“ Thomas Mann