Ausstellungen 2020/21

Spurensuche. Vom Befragen der Dinge

 

Sonderausstellung 11.10.2020 – 14.03.2021

 

„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit – nicht immer. Es blinken und blitzen zuweilen gut sichtbar von seinem Grunde her alt geschliffene bunte Scherben. Sie werfen spiegelnd ein flirrend’ Licht aus der Untiefe der Vergangenheit an die Oberfläche der Gegenwart.“
Gerhard Stadelmaier

 

 


Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Carsten Niemann

 

 

Zum Download

Der komplette Ausstellungskatalog als PDF

 

 

Die Idee unserer neuen Sonderausstellung ist es, ganz unterschiedliche Objekte aus unserer Sammlung auf ihre Geschichte hin zu befragen und zum Leben zu erwecken: Ein Brief der Tänzerin Mary Wigman, ein Türgriff des Opernhauses, die Totenmasken des Regisseurs Kurt Erhardt, der Reisepass des Bühnenbildners und Gründers des Theatermuseums Kurt Söhnlein, die Personalakte des Theaterarztes Dr. Georg Fischer aus dem 19. Jahrhundert, eine Bronzebüste des Schauspielers Max Gaede, ein Telegramm des Regisseurs Peter Zadek, eine Visitenkarte des Intendanten Prof. Franz Reichert, die signierten Fotos des Schauspielers Paul Hagemann, eine Schellackplatte der Sängerin Cäcilie Rüsche-Endorf, der Führerschein der Schauspielerin Margarete Schönzart aus den 1930er Jahren, die Kostüme der Tänzerin Yvonne Georgi, das Bühnenbildmodell der Fledermaus, die Theaterplakate von Kurt Schwitters, die Bühnenschuhe von Willi Wissiak – und vieles, vieles mehr.

 


Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Michael Wallmüller
 

 

Umrahmt werden diese Gegenstände - die auch einen Eindruck geben sollen über den großen Bestand unseres Archivs – von Hannovers Theatergeschichte: Vom französischen Hoftheater der Welfenherzöge zu Beginn des 17. Jahrhunderts über die Bühne der Wanderkomödianten, des Hoftheaters auf Aktien, des Königlichen Hoftheaters und der Städtischen Bühnen führt der Weg zum heutigen Niedersächsischen Staatstheater.

 

In den Mittelpunkt unserer neuen Sonderausstellung haben wir den Film Das Gesicht einer Stadt aus dem Jahr 1932 gestellt, der die Stadt Hannover ein letztes Mal vor der großen Zerstörung im 2. Weltkrieg auf berührende Weise zeigt.

 


Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Michael Wallmüller
 

 

In weiteren Stationen sehen Sie u.a. Filmausschnitte über den Wiederaufbau der Oper nach 1945, Theaterszenen mit Hanns Lothar und Kurt Erhardt aus den 1950er Jahren und eine Ballettinszenierung von Yvonne Georgi mit dem Tänzer Harald Kreutzberg von 1961.

 

In unserer Hörbox begegnen Ihnen historische Aufnahmen von Sänger*innen, die vor 1945 auf der Bühne des Opernhauses in Hannover stehen.

 


Theaterzettel: Emil und die Detektive
Foto: Carsten Niemann
 

 

Was wir in unserer neuen Sonderausstellung vorhaben, zeigt ein Blick auf den Theaterzettel Emil und die Detektive: Im März 1946 wird in Hamburg Zuckmayers Katharina Knie gegeben. Einer der Zuschauer ist Walter Heidrich, der Intendant der Niedersächsischen Landesbühne in Hannover. Er sucht im Auftrag der britischen Besatzer für sein neu gegründetes Theater Darsteller. Besonders ein junger Schauspieler hat es ihm angetan und er bietet ihm ein Engagement an. Der nicht einmal 18-jährige Schauspieler unterschreibt einen Vertrag als jugendlicher Komiker und Naturbursche. Und so geht er auf Tour durch Niedersachsen und ist nicht nur als Gustav mit der Hupe, sondern auch in Max Halbes Schauspiel Der Strom und in Robinsons Abenteuer zu sehen.

 

Der Schauspieler, der hier in Hannover kurz nach dem Krieg seine Karriere beginnt, wird keine zehn Jahre danach zu einem der beliebtesten Filmstars der Nachkriegszeit in Deutschland – der dann nur wenig später zu einer Handvoll deutschsprachiger Darsteller gehört, die auch eine internationale Karriere schaffen. Sein Name: Hardy Krüger.

 


Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Michael Wallmüller
 

 

Das ist nur eine Geschichte, die dieser Theaterzettel erzählen kann. Welche stecken hinter den anderen 27 Namen? ... z.B. Claus Harms (Bankvorsteher): er wird ein langjähriger und erfolgreicher Kritiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung – oder Irene Koss (Pony Hütchen): sie wird Anfang der 1950er Jahre die erste Fernsehansagerin der Bundesrepublik ...

 

Es gibt einen Film über Marcel Reich-Ranicki, der ihn auf einer Zugfahrt durch Deutschland zeigt. Am Fenster zieht die Loreley am Rhein vorbei. Reich-Ranicki schaut und lacht: „Was wäre die Loreley ohne den Dichter Heinrich Heine? Nur irgend so ein Felsen in der Landschaft.“

 


Spurensuche. Vom Befragen der Dinge
Foto: Michael Wallmüller
 

 

 

 


 

 

 

Unsere Ausstellungsobjekte

 

Hier zeigen wir Ihnen eine kleine Auswahl unserer Ausstellungsobjekte:

 

 

 
Foto: Carsten Niemann
 

 

„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze.“
Friedrich Schiller

 

Dieser Kranz wird anlässlich des Gastspiels des Opernsängers Enrico Caruso 1911 dem damaligen Direktor des Königlichen Hoftheaters in Hannover Ludwig Barnay (1842-1924) von namhaften Persönlichkeiten der Stadt überreicht.
Auf der Schleife befinden sich die Namenszüge der fünf Spender: Fritz Behrens, Bernhard Caspar, Louis Jaenicke, s. Seligmann und Heinrich Tramm, versehen mit dem Datum 31.8.1911.

 

Durch die zufällige Begegnung mit der Enkeltochter von Ludwig Barnay wird der Kranz wiederentdeckt und von der Gesellschaft der Freunde Hannovers für das Theatermuseum erworben. Um ihn für die Nachwelt zu erhalten.

 

 

 

 
Foto: Carsten Niemann
 

 

„Dies Haus und wir, wir dienen einer Kunst,
Die jeden tiefen Schmerz erquicklich macht
Und schmackhaft auch den Tod.
Und er, den wir uns vor die Seele rufen,
Er war so stark! Sein Leib war so begabt,
Sich zu verwandeln, daß es schien, kein Netz
Vermöchte ihn zu fangen! Welch ein Wesen!“
Hugo von Hofmannsthal

 

Auf der alten Fotografie ist der Schauspieler Hermann Müller (1860-1899) als „Der Nickelmann“ zu sehen. Er spielt den Elementargeist in der Berliner Uraufführung (2. Dezember 1896) von Gerhart Hauptmanns Märchendrama Die versunkene Glocke am Deutschen Theater.

 

Im Mittelpunkt des Dramas steht der Glockengießer Heinrich. Eine von ihm gegossene neue Glocke, die heller klingen soll als alle anderen, ist beim Transport zur Kirche, in der sie aufgehängt werden soll, abgestürzt und in einem See versunken. Sterbenskrank trifft Heinrich auf das Märchenwesen „Rautendelein“ und gesundet durch ihren Zauber und ihre Küsse. Er zieht mit ihr ins Gebirge und lässt seine Frau Magda und die gemeinsamen Kinder zurück. Magda ertränkt sich im See, wo sie den Klöppel der versunkenen Glocke bewegt. Den Klang hört Heinrich als Stimme seines schlechten Gewissens. Schließlich stirbt Heinrich in „Rautendeleins“ Armen.

 

Hermann Müller spielt in Berlin u.a. an der Seite des damals hochgeschätzten Reinhardt-Schauspielers Josef Kainz. Seine Darstellung des „Nickelmann“ ist prägend für alle späteren Interpretationen. Hermann Müller, geboren 1860 in Hannover, ist der Sohn des gleichnamigen in Hannover wirkenden Schauspielers und Regisseurs Hermann Müller (1834-1889), der im Alter von nur 55 Jahren während einer Spielprobe an den Folgen eines unglücklichen Sturzes in die Versenkung stirbt.

 

Hermann Müllers künstlerische Stationen sind Berlin, Lübeck, Breslau, Wien (Burgtheater) und zuletzt ab 1894 wieder Berlin (Deutsches Theater). Eine unheilbare Krankheit und tiefe Depressionen führen dazu, dass sich Hermann Müller 1899, zehn Jahre nach dem Tod des Vaters, im Grunewald erschießt. Der Dichter Hugo von Hofmannsthal widmet ihm daraufhin ein längeres Gedicht.

 

Interessanterweise ist diese Aufnahme nicht in Berlin, sondern in Hannover angefertigt worden. Das Foto trägt den Stempel des Carl Thies Ateliers, Höltystr. 15. Hermann Müller muss seine aufwendige Kostümierung aus Berlin mitgebracht haben und auch hier geschminkt worden sein, denn die Erstaufführung Die versunkenen Glocke findet in Hannover erst am 20. November 1914 statt.

 

 

 

 
Foto: Carsten Niemann
 

 

„Typographie kann unter Umständen Kunst sein.“
Kurt Schwitters

 

Die Anzahl von Theater- bzw. Aushangplakaten in unserer Sammlung – aber auch in anderen Museen oder Archiven – aus den 1920er, 1930er oder 1940er Jahren ist überschaubar. Das liegt nicht nur an den Kriegsverlusten, sondern eben auch an der Nutzung der Plakate für die Plakatierung an den Litfaßsäulen. Diese Plakate, erste Exemplare gibt es bereits im 16. Jahrhundert, kommen anderes als die Programmhefte nicht in den Umlauf und haben sich meist nur als Belegexemplare erhalten.
Gebunden sind hier die Spiel- und Probenpläne für die Spielzeit 1930/31 der Städtischen Theater Hannover ausgestellt.

 

Spannend und auffällig an diesen Plakaten ist sowohl die Nennung der Opern- und Schauspielproben als auch die Angabe des Spielplanentwurfs für die kommende Woche. Ebenso gibt es rechts unten eine Rubrik Vorzubereiten.
Der Aushang ist also nicht nur für die Besucher gedacht, sondern ebenso für die Sänger und Schauspieler des Hauses. Das zeigt sich auch in der Mitteilung der Theaterleitung, die sich direkt an die Mitglieder richtet.
Eine besondere Bedeutung bekommen die Plakate durch eine weitere Tatsache. Den Namen von Kurt Schwitters, der rechts unten auf den Plakaten als Typograph genannt ist.

 

Kurt Schwitters ist Ende der 1920er Jahre damit beauftragt, für die Stadt Hannover alle amtlichen Drucksachen einheitlich zu gestalten. So also auch die Veröffentlichungen der Städtischen Bühnen. Das heißt, auch alle Programmhefte, Eintrittskarten, Briefumschläge, Plakate, Abo-Ankündigungen usw.
In unserer Schriftenreihe Prinzenstraße. Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte haben wir ihm unter dem Titel Schlagkraft der Form. Kurt Schwitters. Theater und Typografie ein Heft gewidmet.

 

 

 

 
Foto: Carsten Niemann
 

 

Sicherlich haben auch Sie schon – ohne es zu merken oder zu beachten – den Türgriff am Eingang des Opernhauses in Hannover angefasst. Entworfen hat ihn 1950 für den wiederaufgebauten Laves-Bau der Bildhauer Kurt Lehmann (1905-2000).
Fünf verschiedene Türgriffe gibt es von ihm: Flötenspieler, Mädchen mit Maske, Tanzende, Horchende und Ausschauende. Hier liegt das Mädchen mit Maske.

 

Kurt Lehmann (1905-2000) studiert von 1924 bis 1929 an der Staatlichen Kunstakademie Kassel und kann bereits als 24jähriger im dortigen Kunstverein ausstellen. Nach Studienreisen nach Belgien und Frankreich hält er sich 1930 mit einem Stipendium in der Villa Massimo in Rom auf und lebt ab 1931 in Berlin. Hier ist er mit den Bildhauern Gerhard Marcks und Gustav Seitz befreundet. Seit 1934 lebt Lehmann wieder in Kassel, sein Atelier wird im Krieg zerstört. Lehmann ist von 1940 bis 1945 Soldat. Bereits 1946 nimmt er seine Arbeit in Kassel wieder auf und wird 1949 Professor an der Technischen Hochschule Hannover.

 

In Hannover schafft Kurt Lehmann zahlreiche Plastiken und Reliefs die noch heute das Stadtbild beherrschen. Er stellt eine zentrale Figur bei der künstlerischen Entwicklung der Stadt in der Nachkriegszeit während der 1950er und Anfang der 1960er Jahre dar.
Für seine Werke hat ihm Hannover direkt am Großen Garten von Herrenhausen eigens ein Atelier eingerichtet. Während seiner dortigen Schaffensjahre bewohnt Lehmann das an die barocke Gartenanlage grenzende Hardenberg'sche Palais in der Alten Herrenhäuser Straße.

 

Kurt Lehmann hat für sein Werk, das in seiner strengen und vereinfachten Formgebung an Ernst Barlach erinnern, diverse Preise und Auszeichnungen erhalten.
Kurt Lehmann ist verheiratet und hat drei Kinder: Operndirektor Hans-Peter Lehmann und die Malerin Katharina Lehmann sowie eine weitere Tochter. Kurt Lehmanns Grabmal befindet sich auf dem Herrenhäuser Friedhof.
Ein Bild des Türgriffs wird in den 1960er Jahren auf den Programmheften der Oper verwendet.

 

 

 

 
Foto: Carsten Niemann
 

 

„Ansichtentasse Fürstenberg. Tasse mit drei Füßchen, zylindrischer Korpus, hoher Volutenhenkel, Wandung mit Ansicht des Opernhauses in Hannover dekoriert, Fahne der Untertasse mit braunem Fond mit Lyra und Masken in Gold dekoriert. Mokkatasse mit gleicher Ansicht. Unter dem Stand bez. 300 Jahre Oper in Hannover 1689 - 1989. H.d. Tasse: 12 cm, H.d. Mokkatasse: 5,5 cm.“

 

So ausführlich und sachlich wird eine Tasse der Porzellanfirma Fürstenberg in einem Münchner Auktionskatalog beschrieben. Das schöne Service, unter Verwendung zweier Lithographien aus dem 19. Jahrhundert, wird 1989 in einer kleinen Serie aufgelegt. Außerdem ist auf dem dazugehörigen Teller die Notenschrift der Oper Enrico Leone von Agostino Steffani zu sehen, die zur Eröffnung des Opernhauses 1689 uraufgeführt wird.

 

 

 

 
Foto: Carsten Niemann
 

 

„Am 18. Mai 1889 ist in Hannover ein Künstlerleben zu Ende gegangen, das auf besondere Weise zum Ruhme der Stadt beigetragen hat und dessen Spuren bis in unsere Tage reichen. An diesem Tage starb der ‚alte Müller‘, Oberregisseur Hermann Müller, an den Folgen eines unglücklichen Sturzes in der Versenkung während einer Spielprobe, nach mehr als 30-jähriger Tätigkeit im Verbande der ‚Königlichen Schauspiele‘.

 

Er war im Jahre 1855, geborener Berliner, nach Hannover gekommen, zunächst als Episoden- und Chargenspieler, hatte aber schon 1858 eine Gelegenheit, durch schnelle Übernahme des Mephisto in die erste Reihe zu rücken, glücklich ausgenutzt, war, als Hans von Bronsart 1867 die Intendanz übernommen hatte, bald zum Oberregisseur des Schauspiels aufgestiegen (...) Als noch bedeutsamer hat sich Hermann Müllers kühner Entschluss erwiesen, zum ersten Male in Deutschland den ganzen Faust in vier Abenden auf die Bühne zu bringen; die Erstaufführung am 17. bis 20. März 1877, erregte weithin Aufsehen und Teilnahme, und Müllers Einrichtung ist auf unserer Bühne über dreißig Jahre beibehalten und um die Osterzeit immer wieder freudig begrüßt worden. Dem Fleiße Hermann Müllers verdanken wir auch die einzige einigermaßen zuverlässige Darstellung der älteren Geschichte unseres Theaters, die 1876 erschiene Chronik des Königlichen Hoftheaters zu Hannover‘.

 

Zwei seiner Söhne haben dem Namen weiteren Ruhm erworben: der Maler Otto Müller-Dachau und der Schauspieler Hermann Müller, Hauptmanns erster ‚Nickelmann‘. Eine Tochter des ‚alten Müller‘ lebt noch unter uns und hütet in der Stille die Reliquien aus großer Vergangenheit.“ Johann Frerking

 

Dieses schöne Album versammelt über 60 Fotografien des Schauspielers und Regisseurs Hermann Müller (1834-1889). Die Aufnahmen sind ein typisches Beispiel für die im 19. Jahrhundert üblichen sogenannten Rollenfächer im Schauspielbereich. In der klassischen Schauspielkunst unterteilt man seit dem 17. Jahrhundert die verschiedenen Personen eines Theaterstückes nach ihrem Charakter und ihrer Funktion im Stück in verschiedene Fächer, auch Rollen- oder Bühnenfächer genannt. Die Rollenfächer hängen später mit der Zusammensetzung der Schauspieltruppen der Ensembles in den Stadttheatern zusammen. Für jedes Fach muss ein Schauspieler engagiert sein, um das Rollenspektrum in den Repertoirestücken abdecken zu können.

 

Hermann Müller ist von 1855 bis zu seinem frühen Unfalltod 1889, in Hannover engagiert. Zu sehen ist Hermann Müller auf dieser Albumseiten (von links oben im Uhrzeigersinn) in den Rollen:

„Timotheus Bloom“ (Rosenmüller und Finke, oder: Abgemacht! von Carl Toepfer)
„Riccaut de la Marlinière“ (Minna von Barnhelm  von Gotthold Ephraim Lessing)

 

 

 


 

 

 

Post zur neuen Sonderausstellung

 

Wir freuen uns immer über Post von Ihnen! Zur Sonderausstellung Spurensuche. Vom Befragen der Dinge haben uns drei besonders schöne Rückmeldungen erreicht, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

 

 

Lieber Herr Niemann,

 

Ihr Museum ist wirklich eine Schatzkammer!!! Unglaublich, wir sind sprachlos und begeistert. Gestern Abend haben wir gleich das Begleitheft studiert, es ist spannender als ein Krimi und sooo berührend. Das Konvolut von Karin Saul und die Geschichte dazu geht uns sehr nahe. Am 7. Februar 2006 ist sie verstorben, kurze Zeit später – 27. April 2006 – wurden ihre Unterlagen zufällig (und zum Glück) im Sperrmüll gefunden. Wir kennen Karin Saul bereits aus ihrer Bremer Zeit als Tänzerin. Richard Adama ist dort Ballettchef gewesen und hat sie dann 1970 mit ihrem damaligen Ehemann Miroslav Strejcek nach Hannover geholt. Nach ihrer Tanzkarriere ist sie am Opernhaus als Maskenbildnerin tätig gewesen unter dem Namen Antunovic (zweite Ehe). Aber das haben Sie inzwischen sicher schon gehört. Es wäre ganz, ganz lieb, wenn wir nach Ende der Ausstellung einen Blick in den Fotokarton werfen dürften. Auch für uns bestimmt viele Erinnerungen.

 

Aber was der absolute „Hammer“ ist, wir können es immer noch nicht fassen und freuen uns riesig darüber: Sie haben den Nachlass von Fotograf Rolf Helmut Schäfer ersteigert und damit nach Hannover geholt! Wenn Sie wüssten, wie viele Jahre wir schon vergeblich nach Informationen über Herrn Schäfer gesucht haben! Was ist aus ihm geworden, was aus seinen Fotos?! Jetzt wissen wir durch Ihre Recherche, dass er bereits 1993 verstorben ist. Er ist ja der, der die schönsten Ballettfotos in der Georgi-Zeit gemacht hat!!! Es gibt ein Buch aus den 1970er Jahren, dass Herr Schäfer zusammen mit Wolfgang Schlüter herausgegeben hat „Tanz Ballett Georgi Ballett Tanz“, darin sind viele seiner Fotos enthalten. Vielleicht bzw. wir hoffen es natürlich sehr, sind in dem Konvolut auch noch Negative/Unterlagen aus dieser Zeit enthalten?! Es würde uns sehr freuen.

 

Ihre Ausstellung ist so reichhaltig und so besonders, wir werden bestimmt öfters vorbeischauen. Man kann gar nicht alles mit einem Mal entdecken. Bis März haben wir zum Glück genug Zeit.

 

Viele liebe Grüße
Ihre S.K. und M.K.

 

 


Ralf Schäfer

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

 

ich möchte Ihnen interessantes Original-Material über die Schauspielerin Fridel Mumme anbieten, von dem ich denke, dass es Ihr Interesse finden könnte.

 

Die Fotos, Briefe, Zeitungsartikel und Theaterzettel aus ihrer 50-jährigen Bühnenkarriere in Hannover stammen aus dem Nachlass meiner Mutter Elisabeth Piper, die im Januar vergangenen Jahres verstorben ist. Zahlreiche Bilder davon stammen aus dem Besitz von Fridel Mumme selbst und wurden meiner Mutter von ihr vermacht. Sie und Fridel Mumme waren eng befreundet. Kennengelernt haben sich die beiden im Krieg im Kleefelder Luftschutzbunker (meine Mutter wuchs in Kirchrode auf). Das Kriegsende und den Einmarsch der Amerikaner verbrachte meine damals 17-jährige Mutter in der Obhut von Fridel Mumme auf einem Landgut in Giften bei Sarstedt.

 

Nach dem Krieg blieben die beiden einander weiter verbunden; Fridel Mumme war oft zu Gast in meinem Elternhaus in der Kleefelder Heidesiedlung (einige der Fotos zeigen Fridel Mumme und mich bei uns zuhause auf dem Sofa); ich selbst habe sie in den 70er Jahren in ihrer Wohnung an der Kreuzkirche besuchen dürfen. Als Student habe ich damals als Bühnenmusiker und Komparse im Ballhof gearbeitet (in einer Inszenierung von Horvaths Italienische Nacht). Meine Mutter sorgte auch dafür, dass Fridel Mumme, als sie dement und gesundheitlich stark geschwächt wurde, einen Platz im Seniorenheim am Osterfelddamm bekam, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbrachte.

 

Das Material füllt einen flachen Karton (etwas größer als Schuhkartongröße). Mein Bruder hat alles bereits komplett digitalisiert. Selbstverständlich schicken wir Ihnen gerne die Originale per Post zu. Sie können das Material sichten, und was Sie nicht aufbewahren möchten, können Sie entsorgen.

 

Mit freundlichen Grüßen
A. P.

 

 


Fridel Mumme
Foto: Aenne Heise

 

 

 

Lieber Herr Niemann,

 

vielen Dank für den Umschlag mit den zahlreichen Ankündigungen, Postkarten usw. Besonders interessiert hat mich natürlich der Katalog zu Ihrer Ausstellung „Spurensuche“ mit dem Abschnitt über Fridel Mumme in Kapitel X. Schade, dass unsere Fotos und Unterlagen für die Ausstellung zu spät kamen, denn dort hätte es noch einige Spuren zu suchen gegeben:

 

Die herrliche Fotoserie von Fridel Mumme mit dem „Kommissbrot“ (dem Auto der Hanomag, lt. wikipedia Bauzeitraum 1925–1928) hätte dokumentiert, dass sie schon früh eine „Influencerin“ war. Die Fotos selbst sind leider undatiert, der Mode und dem Bauzeitraum des Autos nach wurden sie in den 20er Jahre aufgenommen. Für das Titelbild des Wochenanzeigers („Fridel Mumme wartet auf ihren Adria-Zug“) musste Fridel Mumme den Erzählungen nach einigen Spott einstecken, denn wer fährt schon im Pelzmantel an die Adria!

 

Sehr gut, dass Sie in der Ausstellung auch keinen Bogen um die Zeit von 1933–45 gemacht haben. Der Schauspieler Max Gaede, der in Ihrer Ausstellung wegen seines Gedichts wohl nicht gut wegkommt, ist auf einigen Fotos abgebildet (z.B. in dem Stück „Rätsel um Beate“, Inszenierung von 1936, später dann im Stück „Ihr 106. Geburtstag“, Inszenierung von 1951).

 

Viel Erfolg (trotz Corona) für Ihre Ausstellung!

 

Viele Grüße,
R. P.

 

 


Fridel Mumme