Ausstellungen

Sehr geehrter Herr! In Sternheims Kandidaten, den wir jüngst gemeinsam sahen – Sie finden ihn hirnlos und erbärmlich, witzlos, humorlos und langweilig, ich finde ihn sehr hirnvoll, erbarmungslos, voll Witzes und Kurzweil und glaube auch, den Humor davon gespürt zu haben, nicht zuletzt in Ihrer Kritik, aber das gehört zunächst noch gar nicht hierher – in diesem Kandidaten als gibt’s einen vierten Akt – Sie nennen ihn insonderheit noch gemein und schamlos – und in diesem Akt gibt’s einen Moment, um dessenwillen, wie ich vermute, Sternheims Komödie da ist, den Moment, in dem der von Haus aus ganz belanglose, unfarbige Spießer Russek bunt und prächtig anläuft, wie ein großer, schöner Papagei, von oben bis unten, den Moment, da dieser bis dahin ziemlich langweilige und steifschößige Geselle unter die Faust des Dämons gerät, elementar wird, im Handumdrehen sich selbst über den Kopf und seiner Schicht und Lage auf und davon wächst, über alle praktische Vernunft hinweg, steilaufrasend im Reich des Zeitlos-Typischen, wo die große Komödie und die echte Groteske wohnen. Und etliche im Zuschauerraum – Sie freilich leider nicht – hielten staunend den Atem an, nicht das Geringste der Wandlung zu verlieren.

 

Johann Frerking

 

 

Städtischen Bühnen Hannover. Die 1920er Jahre

Sonderausstellung ab Herbst 2023

 

Der Fotograf Will Burgdorf (1905-1944). Porträts

Sonderausstellung ab Herbst 2023

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