Schauspiel

Bei nassem Schnee. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch

Ich glaube sogar, dass die beste Definition des Menschen diese ist: ein zweibeiniges, undankbares Wesen.

nach der Erzählung
von Fjodor Dostojewski

04. April 2020

Ballhof Eins

Termine und Karten

Regie Lukas Holzhausen Bühne Katja Haß Dramaturgie Annika Henrich

Inhalt

Ist das Streben nach Glück wirklich immer das, was uns antreibt? Oder besteht die Freiheit des Menschen gerade darin, auch dunkle und wirre, vielleicht sogar leid- und schmachvolle Abwege zu suchen? Dostojewski lässt den namenlosen Protagonisten seiner Erzählung auf solchen Wegen wandeln. Der ehemalige Beamte lebt zurückgezogen in einer kleinen Kellerwohnung. Hier hat er sich zwischen Zynismus und Einsamkeit so sehr eingerichtet, dass er der Welt nur noch destruktiv und feindselig begegnen kann. Rückblickend erzählt er verschiedene Episoden aus seinem Leben: Ein Offizier kränkt ihn durch bloße Nichtbeachtung bis zum Äußersten, ein Treffen mit alten Schulkameraden endet in grenzenloser Selbsterniedrigung, eine mögliche Geliebte weist er grausam zurück. Es ist das psychologische Portrait eines unmöglichen Charakters: Prestige und Erfolg verachtet er, schämt sich aber zugleich für seine Armut. Jede Möglichkeit von Glück muss er zerschlagen und weit von sich stoßen, nur um sich dann still danach zu sehnen. Und doch liegt in seiner Bitterkeit eine scharfe Gesellschaftsanalyse und der beständige Kampf gegen die Lüge und den schönen Schein.
Lukas Holzhausen, neues Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover, arbeitet neben seiner Tätigkeit als Schauspieler immer wieder als Regisseur. Zuletzt inszenierte er am Volkstheater Wien Lessings Emilia Galotti und Der Raub der Sabinerinnen.