Schauspiel

Ein Mann seiner Klasse

So wie er wollte ich werden. So wie er und wie niemand sonst.

nach dem Roman von Christian Baron

eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2022

Premiere

21. Oktober 2021

Ballhof Zwei


ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Uraufführung



Bühne und Kostüme Katja Haß
Musik und Video Robert Pawliczek
Dramaturgie Annika Henrich




Laiendarsteller Vater Michael „Minna“ Sebastian
Sprecher Vater Jan Thümer
Kinderstatist Noah Ilyas Karayar, Titus von Issendorff
Podcast
Audioeinführung von Dramaturgin Annika Henrich
Materialien
Programmheft zu „Ein Mann seiner Klasse“
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Inhalt

Christian und sein Bruder Benny ziehen die Bettdecken über die Köpfe und halten die Luft an, wenn drüben der Vater die Mutter gegen die Wand schleudert. Die Gewalt ist zur Normalität geworden, genauso wie die Armut, in der sie leben, und der Reflex, nichts nach außen dringen zu lassen, bloß nicht aufzufallen. Die Wutausbrüche des trinkenden Vaters sind unberechenbar und exzessiv, und doch hofft Christian immer, dass er bleibt. Er schaut auf zu dem Mann, der eine Waschmaschine alleine in den vierten Stock tragen kann und die Familie davor beschützt, im Kalkofen zu landen, dem Viertel, in dem die wohnen, denen es noch schlechter geht. Unter den abfälligen Blicken der Nachbarn scheint die Zukunft der Kinder bereits vorgezeichnet. Als die Mutter ernsthaft erkrankt, schreitet eine couragierte Tante ein und die Dinge beginnen sich zu verändern.
Als einer, der davonkam, blickt Autor Christian Baron in seinem 2020 erschienenen Debütroman zurück auf eine Arbeiterkindheit in Kaiserslautern und stellt die Frage, wer oder was seinen Vater zu dem machte, der er war. Baron erzählt von skandalöser Armut in einem reichen Land, von den wirkungsvollen Mechanismen der Ausgrenzung, vom Ringen um Stolz und Würde und hält dem Hohn der Gesellschaft eine berührende Familienbiografie entgegen.
Lukas Holzhausen ist Schauspieler und Regisseur. Seit der Spielzeit 2019/20 ist er fest im Ensemble des Schauspiel Hannover, hier inszeniert er in dieser Spielzeit außerdem Dostojewskis Aufzeichnungen aus dem Kellerloch. Bei nassem Schnee.

eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2022
Das Berliner Theatertreffen präsentiert seit 1964 jedes Jahr die zehn „bemerkenswertesten Inszenierungen“. Dafür sichtet eine unabhängige Jury rund 400 Aufführungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Die 10er Auswahl des Berliner Theatertreffens gilt als Leistungsschau des zeitgenössischen Theaters und ist eine der höchsten Auszeichnungen innerhalb der Theaterbranche. Die 58. Ausgabe des Berliner Theatertreffens findet vom 06.05. bis 22.05.2022 statt. Informationen zu den weiteren eingeladenen Inszenierungen finden Sie unter www.berlinerfestspiele.de.

Inhaltshinweis
Die Inszenierung thematisiert häusliche Gewalt und Depressionen. Diese Inhalte können bei betroffenen Personen negative Reaktionen auslösen.
Informationen für Betroffene von häuslicher Gewalt sind unter anderem zu finden unter:
www.hilfetelefon.de
weisser-ring.de/haeuslichegewalt

Pressestimmen

Neue Presse

„Bewegend und wichtig. Ensemblemitglied und Regisseur Lukas Holzhausen blickt in seiner bildstarken Inszenierung in den Maschinenraum einer Gesellschaft, dessen Personal die Allgemeinheit belächelt oder verachtet. Nikolai Gemel spielt die Hauptrolle mit jener gekonnten Distanz, die Erkenntnis überhaupt erst ermöglicht. Für Empathie ist Stella Hilb zuständig in einer Doppelrolle als Mutter und kämpferische Tante. Die Hoffnung ist trügerisch – daraus macht Holzhausens Inszenierung keinen Hehl. Diese wichtige Inszenierung schärft den Blick dafür.“

Hannoversche Allgemeine Zeitung

„In der Inszenierung von Lukas Holzhausen sind die brutalen Szenen nicht zu sehen, aber zu hören. Er lässt den Roman nicht nachspielen, er lässt ihn nacherzählen. Und das recht eindrucksvoll. Nikolai Gemel steht als Ich-Erzähler Christian auf der Bühne. Er wirkt verletzlich und fragil. Stella Hilb ist als Mutter und hilfreiche Tante zu sehen. Die Figur des schweigenden und allgegenwärtigen Vaters im Zentrum ist sehr stark.“

Neues Deutschland

„Ein Bühnenabend, der sehr viel über die Verfasstheit des Landes aussagt, in dem wir leben. Sehr berührend werden zentrale Passagen des Romans, einschließlich der erschreckenden Gewaltszenen, auf die Bühne gebracht. Das Elend, das das Leben der „working poor“ kennzeichnet, wird bildhaft mehr als deutlich. Die Inszenierung von Regisseur Lukas Holzhausen kann überzeugen. Der Klassenkampf hat der Klassenscham Platz gemacht. Ein Verdienst dieses Theaterabends besteht auch darin, dass die Beschämung sich ins Publikum überträgt.“

Theater der Zeit

„Stella Hilb in der Doppelrolle als Mutter und Tante gelingt es, emotionale Momente zu schaffen, ohne dabei in Klischees auszuweichen. Sie spielt die Rollen differenziert und mit großer Lust an Feinheiten. (…) Besonders beeindruckend greift aber Nikolai Gemel dieses ambivalente Verhältnis auf und hält über den gesamten Abend eine fast kühl anmutende Distanz zum Geschehen.“

Theater Heute

„Lukas Holzhausen hat den Roman in Hannover uraufgeführt, in einer schlauen, gemeinsam mit der Dramaturgin Annika Henrich erarbeiteten Bühnenfassung. (…) Es ist ein berührender, unaufgeregter Abend. (…) Voller Hingabe und gelegentlich sogar voller Witz spielt Hilb die beiden Frauenfiguren (…) unglaublich überzeugend.“

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